September 2018 - Eine Woche Hecht

Samstag, 22.09.2018

Die meisten Menschen werden sich dieser Tage ärgern weil der Sommer nun endgültig seinen Abschied genommen hat, aber wir Angler freuen uns natürlich dass es endlich wieder losgeht mit der Herbstsaison. Ganz traditionell beginne ich nach der Sommerpause mit einer Woche Hechtfischen. Am heutigen ersten Angeltag begleitete mich Uli, und ausnahmsweise gab es kein Ententeichwetter, welches meistens vorherrscht, wenn der "Blechkönig" mit an Bord ist.

Nach der gestrigen Anreise und einem wie immer geselligen Abend mit unseren Gastgebern hier vor Ort klingelte der Wecker um 05:00 Uhr. An der Slippe waren wir erster, wie sich das gehört. Noch im Dunkeln erreichten wir den ersten Angelplatz, bei dem wir sehr gespannt waren ob er wieder Fisch bringen würde. Seit dem letzten Spätherbst war dort kaum noch was zu holen gewesen, was wir mit den in der Nähe stattfindenen Baggerarbeiten verbinden. Hatte sich daran etwas geändert? Ja, die Bagger stehen nun ein gutes Stück weiter weg, aber trotzdem konnten wir nach zwei Stunden leider nur auf eine aktionsfreie Zeit zurückblicken. Stellenwechsel war also angesagt, und das sollte sich schon nach recht kurzer Zeit lohnen. Nach einem rasanten Anbiss und einem etwas unspektakulären Drill konnte ich die erste Meterdame in den Arm nehmen, mit 112cm gleich mal ein toller Auftakt!

Eine gute halbe Stunde später tauchte die Pose der anderen Rute ab und dieser Fisch verkaufte sich besser. Auch hier gelang die Landung und mit einem 93er war der zweite Fisch des Tages gefangen.

Bei Uli tat sich leider immer noch nichts. Dafür wurde der Wind immer stärker und so langsam machte sich die Befürchtung breit dass die Anker nicht mehr lange halten würden. Nachdem ich einen weiteren Biss nicht verwerten konnte (der Anhieb ging komplett ins Leere), war es dann auch soweit und der erste Anker löste sich. Also wieder Stellenwechsel, und uns fiel nichts besseres ein als den Platz vom Morgen nochmals aufzusuchen, alles andere war bei der Windstärke und -richtung aussichtslos. Nun, leider blieb die Stelle unproduktiv. Aber der Angelgott hatte die Rechnung ohne Uli gemacht, denn der "Zauberer des Blechs" packte kurzentschlossen einen Mepps Spinner aus. Tataaaa! Nur wenige Würfe später zappelte schon ein Barsch an seiner Rute. Entschneidert !

In der Folgezeit ließ der Wind wieder etwas nach und da sich weiterhin kein Hecht zeigte wechselten wir wieder an den Platz an dem die beiden Hechte gekommen waren. Leider blieb es auch hier zunächst ruhig. Ruhig blieb es aber nur unter Wasser, den über uns braute sich entgegen der Wettervorhersage etwas ganz gruseliges zusammen. Von Daniel und Dieter, die weit weg am Fluss unterwegs waren, hatten wir auch schon von einem Wolkenbruch gehört der die beiden veranlasst hatte das Angeln abzubrechen. Und auch wir wurden nicht verschont. Auf einmal ging alles ganz schnell: Der Wind wurde sturmartig, starker Regen setzte ein und - Uli bekam einen Biss. Kurz nachdem er den Anhieb gesetzt hatte lösten sich die Anker, wahrscheinlich war der Fisch an der Angel das letzte kleine bisschen was fehlte um das Boot vom Platz zu bewegen. Innerhalb von Sekunden trieb das Boot über alle weiteren ausgelegten Ruten hinweg und das Durcheinander war perfekt. Das Ende vom Lied? Ein riesiges Vogelnest aus Angelschnüren, eine fast "Strandung" in extrem flachem Wasser und - Hecht weg...

Da wir keine Möglichkeit mehr sahen das Fischen fortzusetzen packten wir alles zusammen und machten uns auf zur Slippe.

Nach der Rückkehr zur Unterkunft wechselte Uli dann noch schnell seine Kleidung und machte sich auf den Heimweg. Beim nächsten Mal wieder besser Uli !

Der Abend gestaltete sich sehr gesellig. Es fand ein großes Barbecue statt bei dem sich viel Prominenz der holländischen Angelszene einfand. Der Grillmaster kam für die erste Stunde aus Bornheim im Rheinland cool. Ich konnte meine Sprachkenntnisse weiter vertiefen indem ich sogar ein bisschen den hiesigen Dialekt versuchte zu verstehen. Kostprobe? "Poarneem" (Schreibweise geraten, wahrscheinlich kann man das garnicht schreiben), was soviel heißt wie "lass uns noch ein paar (viele) Bierchen trinken" Naja, das ist dann vielleicht doch ein wenig zu anspruchsvoll , ich arbeite lieber weiter am klassischen Niederländisch wink

 

Montag, 24.09.2018

Nachdem der Sonntag wegen Dauerregen buchstäblich ins Wasser fiel und ich mir das auf Grund meiner noch reichlichen Möglichkeiten in den nächsten Tagen nicht antun wollte, ging es heute in aller Frühe aus der Koje. Da ich  keinen Angelpartner hatte musste natürlich auch etwas mehr Zeit für das Klarmachen des Bootes usw. eingeplant werden. Das Team "Kai und Kai's Boot" funktioniert aber eigentlich ganz gut und wenn halt keiner da ist...

Noch im Dunkeln erreichte ich den Platz und schon bald kam der erste Anbiss. Der Anschlag ging aber sowas von ins Leere ! Manchmal versteht man es nicht. Nur kurze Zeit später, gleiche Stelle, wieder ein schöner Anbiss. Anschlag und wieder - Luft! Also das war wohl ein ganz schlauer, die Köder hat er jedes Mal mitgenommen.  Viel Zeit darüber nachzudenken blieb mir aber nicht, denn die andere Rute brachte bald den ersten Fisch ins Boot, und dieser verfehlte mit 99cm die Metermarke nur sehr knapp.

Man kann unschwer erkennen das heute natürlich wieder die Fernbedienung für die Fotos zum Einsatz kam. Naja, ganz passabel.

Es folgten in der nächsten Stunde noch zwei weitere Hechte von 82cm und 88cm, den Fototermin ersparte ich Ihnen. Ist halt doch etwas umständlich alleine.

Leider frischte in der Folgezeit der Wind mehr und mehr auf und irgendwann um die Mittagszeit war es dann wieder soweit, der erste Anker löste sich. Für mich das Signal: Stellenwechsel!

Notgedrungen fuhr ich zu der Stelle, die momentan irgendwie keine Fische bringt, aber ein bisschen Restvertrauen auf Basis der tollen Fänge dort in den letzten Jahren war noch vorhanden. Da ich ja schon drei Hechte gefangen hatte, war alles weitere ohnehin nur noch "Bonus". Der Bonus war dann aber noch "gewichtig".

Die Köder lagen vielleicht 10 Minuten im Wasser als es einen sehr vorsichtigen Anbiss auf einen recht großen Brassen gab. Trotz des großen Köderfisches wartete ich nicht sehr lange mit dem Anschlag um unbedingt zu verhindern, dass der Fisch den Köder schluckt. Der Anhieb saß, und ehe ich mich versah schraubte sich ein großer Hecht komplett aus dem Wasser - Wow !

Diese Show wiederholte die Hechtdame während des Drills noch weitere zweimal. Sie kämpfte wirklich bärenstark, nahm immer wieder Schnur von der Rolle und es wäre ihr am Ende fast noch gelungen das Ankerseil zu erreichen. Aber: Nicht mit dem Commander diesmal, irgendwann lag sie dann im Kescher und große Erleichterung machte sich breit. Das Messen ergab 110cm und nun musste die Fernbedienung der Kamera doch nochmal zum Einsatz kommen. Ca. 20 Bilder später verabschiedete sie sich dann mit einem kräftigen Schwall in den Fluten. 

Gegen 15:00 Uhr beendete ich dann diesen tollen Angeltag und kämpfte mich durch hohe Wellen Richtung Slippe.

 

Dienstag , 25.09.2018

Was für ein Wetterwechsel! Heute morgen fuhr ich bei 5 Grad Aussentemperatur los, der Wind war komplett eingeschlafen und ein leichter Nebel verdeckte den Vollmond. Das gefiel mir, nach all der Schaukelei in den letzten Tagen. Überraschenderweise gab es in den ersten 1 1/2 Stunden überhaupt keine Aktion, aber dann konnte ich in kurzer Abfolge zunächst einen Fisch von genau 100cm fangen,

um kurze Zeit später noch einen 91er nachzulegen.

Danach war wieder absolute Ruhe am Platz und auch der Wind entwickelte keinerlei Aktivitäten. Es ergab sich also so langsam ein lupenreines Ententeichwetter, und als ich schon mit nichts mehr rechnete meldete sich tatsächlich noch mal ein Interessent an meiner Rute. Auch diesen Fisch konnte ich sicher landen und mit 88cm war dies der Tagesabschluss. Auf ein weiteres "Fernbedienungsfoto" hatte ich diesmal keine Lust. Danach ging nichts mehr und auch ein Platzwechsel brachte (erwartungsgemäß) nichts. Leider konnte ich heute wegen eines Defekts meines Elektromotors nicht driftend fischen, das wäre bei dem Wetter sicherlich eine gute Option gewesen. Naja, gleich kommt Dieter an, und dann werden wir mit dem kurzfristig von Guido zur Verfügung gestellten Motor in den nächsten Tagen weiter angreifen.

Mittwoch, 26.09.2018

Heute Morgen das übliche Ritual, nur eine halbe Stunde später. Gestern hatten wir doch festgestellt, dass wir etwas zu früh waren, auch weil natürlich die ganze Prozedur mit dem Boot zu zweit enorm viel schneller geht. Die Köder landeten trotzdem sehr zeitig am Platz, und es war noch nicht richtig hell da tauchte auch schon meine Pose unter. Kurze Zeit später hielt ich den ersten Hecht des (noch dunklen) Tages in den Händen. 99cm - schon wieder fehlte nur 1cm, aber das ist eigentlich egal.

Nach dem Hellwerden wurde es dann hektisch an Bord, den während ich bereits den nächsten Hecht drillte, bekam ich an der anderen Rute parallel auch ein Biss. Da musste Dieter ran. Beide Hechte waren bald nahe am Boot. Der erste war schnell eingenetzt und ich konnte die Rute von Dieter übernahmen. Leider schaffte es der Hecht ins Ankerseil und verabschiedete sich, die beiden Drillinge waren allerdings ganz sauber eingehakt - im Seil...

Es wäre ja auch viel zu stressig geworden, man stelle sich vor, zwei Hechte gleichzeitig in den Händen! Nein, ehrlich, ich hätte es schon ziemlich cool gefunden. 94cm brachte die eine Dame auf die Messlatte.

Danach ging es endlich auch bei Dieter zur Sache und er konnte einen tollen 96er landen.

Es folgte noch ein 74er bei Dieter, dem wir den Fototermin ersparten. Als die Sonne an Kraft gewann, war unter Wasser schnell Ruhe eingekehrt. Gegen Mittag entschlossen wir uns trotz des mittlerweile kräftigen Windes zur Überfahrt in einen anderen Gewässerabschnitt. Am ersten Ankerplatz gab es leider keine Aktion, aber nun war es an der Zeit mit dem Elektromotor langsam die Köderfische zu schleppen. Ich muss schon sagen, die neue Generation der Minnkota Motoren hat es in sich. Ich freue mich schon wenn ich auch endlich einen intakten Motor zur Verfügung habe, nächste Woche wird meiner (der bereits bei der Erstnutzung einen Defekt hatte) ausgetauscht. Schon nach 10 Minuten zeigte die Methode Erfolg, und ich konnte für Dieter einen 73er Hecht einnetzen.

Es folgte kurze Zeit später tatsächlich noch ein Biss, aber leider verlor Dieter den Fisch. Das war es dann aber auch, um 17:00 Uhr machten wir uns wieder auf den Rückweg und es begann ein heftiger Ritt über die Wellen, den das Marcraft aber natürlich gut meisterte.

 

Donnerstag, 27.09.2018

Nachdem wir auch gestern wieder recht früh im Bett waren (Hertog Jan Bockbier 7% wirkt wink), erwartete uns heute fast sommerliches Wetter. Bereits am Morgen zeigte das Thermometer 11,5 Grad, fast doppelt soviel wie in den letzten beiden Tagen.

Die Fische zeigten sich zunächst passiv, und es dauerte eine ganze Weile bis sich bei Dieter der erste Hecht am Köder zu schaffen machte. Das Warten hatte sich aber gelohnt, den mit einem Fisch von 104cm konnte auch Dieter seinen ersten Meterfisch der Woche fangen.

Auch der nächste Fisch ging auf Dieter's Konto, war aber mit 75cm zu klein fürs Foto laughing. Einen weiteren Fisch verlor Dieter kurz darauf.

Nachdem sich bei mir bisher nichts bewegt hatte, konnte ich dann doch noch zuschlagen und einen fetten 93er fangen.

Es folgte noch ein 85er bei Dieter, der auch nicht aufs Foto durfte. Ich konnte allerdings nicht feststellen, dass der Hecht beleidigt war.

Auch heute ging die Fresslaune der Fische am Ankerplatz mit zunehmender Sonneneinstrahlung gegen Null, so dass wir uns entschlossen wieder mit dem Posenschleppen zu beginnen. In einem recht tiefen Abschnitt erhielt ich einen Biss, verlor den Fisch aber leider nach kurzem Drill. Schade! Da es der erste Fisch mit meiner neuen Sidefloat Methode gewesen wäre, ärgerte ich mich schon ein wenig.

Wir beendeten den Angeltag dann gegen 15:00 Uhr ohne weitere Aktionen. Morgen steht schon wieder der letzte Angeltag an. Time flies...

 

Freitag, 28.09.2018

Heute wollten wir einen gänzlich anderen Gewässerabschnitt befischen, quasi direkt vor der Haustür. Die Konsequenz war ein etwas späteres Aufstehen - auch nicht so schlecht. Zum Glück war die Slippe bereits früh geöffnet bzw. hatte der Parkplatzwächter die Schranke nicht verschlossen, der hat bestimmt gewusst dass wir heute kommen würden. Es begrüßten uns: Nordwind BFT 5 und ein kleiner Regenschauer, extra für uns undecided.

Zum Glück war der eigentlich unbeliebte Nordwind genau richtig für unsere erste Angelstelle, denn dort hatten wir den perfekten Windschatten. Die Frage ob der Nordwind den Fischen den Appetit verdorben hatte wurde schnell negativ beschieden, denn Dieter konnte den ersten Fisch des Tages mit 90cm landen.

Auch bei mir meldete sich bald ein Interessent, aber der Fisch ließ den Köder wieder los und so wurde es erstmal nichts. Aber schon kurz darauf bekam ich meine zweite Chance, und ein Hecht von sage und schreibe 68cm glitt über den Kescherrand. Ein bisschen größer durfte es schon sein dachte ich, und das wurde anscheinend erhört, denn nur wenig später war ein weiterer Fisch gefangen, diesmal mit 91cm ein ordentlicher.

Danach war Ruhe am Platz und wir entschieden uns irgendwann für einen Stellenwechsel. Brachte aber nichts und so versuchten wir es um die Mittagszeit nochmal am ersten Platz des Tages. Vielleicht 10 Minuten waren die Köder im Wasser, da glitt Dieter's Pose schon unbeirrt in die Tiefe. Ein weiterer Fisch von 85cm war, etwas überraschend, gefangen.

Nach einer weiteren Stunde ohne Aktion entschlossen wir uns dazu unser Glück noch einmal mit Posenschleppen zu versuchen. Es war schon fast alles umgebaut bzw. umgepackt, als meine letzte ausgelegte Rute auf einmal ablief. Der Fisch verkaufte sich sehr gut, obwohl er "nur" 89cm auf die Messlatte brachte.

Trotz dieser Aktion gingen wir in der Folgezeit driftend zu Werke. Nach gefühlt zwei Minuten tauchte Dieter's Schlepppose ab, leider verlor er den Fisch nach kurzem Drill.

Wir schleppten in und knapp neben der Fahrrinne, der geringe Verkehr ließ dies heute gut zu. Endlich tauchte auch mein Sidefloat ab, und der erste Fisch auf diese neue Methode war gefangen. Mit 92cm ein ordentlicher Fisch!

Später brachte erneut das Sidefloat noch einen Fisch, mit 67cm aber eher aus der Vorschule.

Mit 7 gefangenen Hechten bei 9 Anbissen war dieser letzte Angeltag gleichzeitig der mengenmäßig beste Tag, zufrieden werden Dieter und ich nach einer Runde Grolsch am Abend dann morgen früh abreisen.

Kai

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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