Rumänische Räuber 2015 (live)

Nachdem die ersten Wochen der neuen Saison bereits ausgiebig am Wasser verbracht wurden, sind wir (Daniel und Kai)  gestern zu einem ersten anglerischen Highlight aufgebrochen. Zwei Jahre stand das Gewässer nicht auf der Urlaubsliste, aber nun wurde es mal wieder Zeit. Wir landeten gestern gg. Mittag auf dem Flughafen von Bukarest. Reibungslos verlief auch die Fahrt zum See. Auf dem Weg galt es mal wieder zu beobachten, was sich so alles verändert hat in Bukarest und Umgebung. Nun, nicht so viel, aber es herrscht weiter eine rege Bautätigkeit und Stück für Stück modernisiert sich das Land.

Nach der Ankunft in der Lodge wurde erst einmal zu Mittag gegessen und dann waren wir natürlich beide hochmotiviert sobald wie möglich das erste mal die Gummiköder Richtung Horizont zu befördern. Am Himmel zeigten sich jedoch bereits erste Anzeichen von Gewitterwolken und so kam es wie es kommen musste: Nach nicht einmal einer halben Stunde erfolglosen Versuchen begann es zu donnern und wir sahen zu, so schnell wie möglich vom Wasser zu kommen. Bis auf ein paar Regentropfen die wir in Kauf nehmen mussten klappte das auch - zum Glück. Der Abend wurde dann auch nicht allzu lang, denn immerhin ging unser Flug schon sehr früh von Brüssel aus und wir hatten in der vorherigen Nacht nicht mehr als eine kleine Mütze Schlaf bekommen.

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Der nächste Morgen empfing uns mit für Rumänien sehr untypischem Wetter. Es war kühl, stark bewölkt und irgendwie lag Regen in der Luft. Die Wettervorhersage gab' dann auch die nicht unerhebliche Prognosemenge von 20l / qm für den Tag an. Na das konnte ja "heiter" werden! Nicht nur das schlechte Wetter machte uns Kopfzerbrechen, sondern vor alllem die Tatsache, dass hier regnerisches Wetter gleichbedeutend mit schlechten Fangaussichten ist. Natürlich ging es trotzdem gleich nach dem Frühstück auf's Wasser und schon kurze Zeit später folgen die Köder auf verschiedenste Plätze. Bisse? Nix, absolut keine Aktion auf den Plätzen. Aus den Vorjahren war bekannt, am Anfang gilt es die richtigen Bereiche zu finden. Selbst an diesem unglaublich fischreichen Gewässer kann das schwierig sein. Das Wetter machte es zusätzlich kompliziert, aber wir blieben dran. Während der Regen zwischenzeitlich zu unserem treuen Begleiter geworden war (es hielt sich aber noch in Grenzen), fuhren wir am späten Vormittag ein großes Plateau an. Hier gab' es in der Vergangenheit vor allem größere Fische zu holen. Diesmal auch? Oh ja, nur kurz nach der Ankunft konnte Kai zwei schöne Zander fangen, die für hiesige Verhältnisse eine stattliche Größe hatten. Der Knoten war geplatzt!

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Es folgten noch zwei mittlere Fische und die Motivation wurde höher. Auch die Regenfrequenz wurde höher... Als Daniel mit seinem Köder festhing, begannen die üblichen Versuche der "Köderbefreiung". Zerren,reißen,flitschen... Alles half nichts, denn der vermeintliche Hänger fing an sich zu bewegen... Aber das soll Daniel mal in eigene Worte fassen:

Nachdem Kai alle vier Fische bisher gefangen hatte, wurde es langsam Zeit, dass ich auch mal einen fange. Mein Wurf ging an eine sehr vielversprechende Stelle neben abgestorbene Bäume. Der Köder sank ab und kam auf dem Boden an. Beim Anjiggen hing ich aber sofort fest. Ok Köder weg neu montieren waren meine Gedanken. Aber plötzlich bewegte sich der Hänger. Es war ein Fisch aber schnell wurde klar, dass es kein Zander war. Ok dann ein Karpfen oder eine Brasse quer gehakt oder doch einer der Welse aus diesem See? Nach ca. 10 Minuten konnten wir den Fisch zum ersten Mal sehen. Es war ein Wels aber des ersten Anscheins nach kein großer. Nach weiteren 10 Minuten sahen wir die Sache schon anders. Doch nicht so klein! Das Material mit der 20 Gramm Rute und der 4,5 Kilo Schnur war bis aufs letzte ausgereizt. Der erste Versuch der Landung scheiterte und es gab lediglich eine "Wallerkopfnuss". Nach langen 30 Minuten konnten wir den Wels endlich ins Boot befördern. 1,33 Meter, ziemlich fett, und ich war groggy aber glücklich!

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Nach diesem aufregenden Ereignis ging es dann erstmal zum Mittagessen. Der Regen wurde zwischenzeitlich noch heftiger, er glich einer Sintflut! Das Regenradar zeigte keine Besserung für diesen Tag, und so entschieden wir uns den Nachmittag mit Stippangeln zu verbringen. Besser als im Wind und Regen im Boot zu stehen und noch viel besser als gar nicht mehr zu fischen!

Leider war der Nachmittag nicht von Erfolg gekrönt. Es regnete Bindfäden und das schlug tatsächlich auch den Weißfischen auf den Magen. Ein paar Bisse, nicht verwertet! Völlig durchnässt traten wir nach 3 Stunden den Rückzug an.

Fazit des ersten ganzen Angeltages: Mistwetter, ein paar schöne Zander, einen besonderen Fang. Insgesamt weit weg von den erwarteten Stückzahlen und wieder einmal die Erkenntnis dass es jedes Mal anders läuft als gedacht. Ab morgen kommt die Sonne zurück und wir gehen fest davon aus dass damit auch die Fische wieder aktiver werden.

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Montag


Heute Morgen ging natürlich gleich der erste bange Blick aus dem Fenster. Und? Jaaaa... Sonne und blauer Himmel! Hätten wir das also schonmal geklärt. Nach dem Frühstück gleich raus auf's Wasser, diesmal in die andere Seehälfte. Wieder begann das Suchen und wieder taten wir uns schwer. Die ersten 5 Plätze brachten genau - nichts... Aber wir suchten weiter und am Rande einer unscheinbaren Bucht an der Kante zum alten Flussbett haben wir die Zander dann auch gefunden, und wie! Es ging Schlag auf Schlag und wir landeten in einer guten Stunde insgesamt 23 Zander. Auch hier war die Durchschnittsgröße wieder sehr ansprechend. 

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Nach einem schmackhaften Mittagessen ruhten wir uns noch ein halbes Stündchen aus und verabschiedeten zwischenzeitlich die anderen Gäste aus Österreich. Nun haben wir den See für uns alleine und ausserdem ein mit 15 PS motorisiertes Boot zur Verfügung. So können wir dann schonmal etwas schneller die Position wechseln! Am Nachmittag suchten wir noch einmal neue Plätze auf. Es gilt sich einen möglichst umfassenden Fundus an produktiven Angelstellen zu erarbeiten, damit man die Plätze nicht zu schnell "totfischt". Auch hier blieben die ersten Versuche erfolglos, bis wir dann wieder einen Standplatz ausgemacht hatten. Hier fingen wir weitere 16 Fische, unter denen aber auch ein paar 2jährige Babyzander waren.

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Fazit: Wetter gut - Fischen gut - alles gut !

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Dienstag , Zäh und ein seltener Fang


Bei tollem Wetter fuhren wir nach dem Frühstück auf den See. Die ersten Stellen brachten wiederum nicht den erhofften Erfolg, aber da war ja noch unsere Topstelle von gestern. Dort angekommen mussten wir jedoch eine ganze Weile auf den ersten Zander warten und auch in der Folgezeit war es eher schleppend. Wir angelten uns dort 5 Zander zusammen bevor wir uns entschieden, noch einmal den Platz zu wechseln. Die Fundamente der ehemaligen Polizeistation wurden nochmal angesteuert, weil es dort so schön viele Hänger gibt (:-)) . Wir hatten gerade das Boot in die richtige Position gebracht, da war Daniel's Rute auch schon mächtig krumm! Der Fisch nahm kräftig Schnur von der Rolle (ja, es war natürlich wieder die 20g Zanderrute...). Wir lichteten sofort den Anker und ließen uns vom Fisch ziehen. Zum Glück steuerte dieser das Freiwasser an und nicht die vielseitigen Unterwasserhindernisse dieses Bereiches... Es dauerte dann garnicht mehr so lange, und der Fisch zeigte sich das erste Mal an der Oberfläche. Wir hatten bereits vorher schon so eine Vermutung, und diese bestätigte sich dann auch: Karpfen! Ein wunderschöner Spiegelkarpfen von ca. 25-28 Pfund wurde von Kai "fachmännisch" im "Unterbauchgriff" ins Boot befördert.

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Für Kai gab' es dort dann noch einen Minizander und das war es dann auch. In Sachen Zielfisch also bisher eher "tote Hose".

Bis zum Mittag stand der "Zanderzähler" dann letztlich auf 7. Naja... Es blieb somit mehr Zeit für die Schönheit der Natur. Unser Highlight war ein Storch (ohne Salatfeld).

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In der Küche wurden wir mit dem Mittagessen wieder verwöhnt. Wir machten Bekanntschaft mit einer tollen Suppe und einer rumänischen Riesenpepperoni, die einem 10 Sekunden nach dem "Biss" die Schuhe auszieht. So sieht sie dann aus:

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Nach dem Mittag hatten wir bereits deutlich gedämpfte Erwartungen für den restlichen Tag. Nun, es war gut so. Nochmal 6 Zander angelten wir uns in den zwei nächsten Stunden zusammen...

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Noch garnicht auf der Fangliste stand bisher der Barsch. Dieser ist zwar hier im See deutlich weniger vertreten, aber in den letzten Jahren gab' es eigentlich täglich den einen oder anderen. Daniel hatte sich jedoch auch dieser Sache angenommen und nachdem er hier anscheinend ohnehin für die Artenvielfalt zuständig ist fing er auch den ersten Barsch der Tour.

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Irgendwann war es uns dann alles zu schleppend und wir beschlossen für den Rest des Tages noch einmal den Brassen nachzustellen. Also schnell zur Lodge zurück, Zandersachen von Bord, Stippsachen an Bord. Leider wollten auch die Brassen nicht so richtig. Gegenüber der letzten Session im Dauerregen war es heute zwar deutlich angenehmer, aber mit 4 Brassen konnten wir nun wirklich nicht zufrieden sein. Kai hatte hier in den Vorjahren an einem halben Tag schon 25kg gefangen, aber dieser See ist und bleibt für Überraschungen gut, nicht nur für positive! Spaß gemacht hat's aber trotzdem und wenn alles nach Plan läuft ist es ja auch irgendwie langweilig...

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Mittwoch , Zielfischjagd


Der Tag empfing uns mit strahlend blauem Himmel. Die 30 Grad Marke sollte heute erreicht werden - wurde sie auch! Der Tagesplan sah' vor, dass wir die Plätze, die wir bisher tendenziell am Vormittag befischt hatten, nun am Nachmittag befischen wollten und umgekehrt. Vielleicht hatten die Zander ja gewisse Gewohnheiten, die sich besser ausnutzen ließen. Bereits der erste Platz brachte von Beginn an reichlich Aktion, aber der Spuk dauerte auch nicht länger als eine halbe Stunde, dann war es wieder unangenehm ruhig unter Wasser...

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Bis zum Mittag erangelten wir uns 11 Zander. Wir müssen wohl unsere Gedanken an die großen Stückzahlen aus vergangenen Jahren für diese Tour so langsam ad acta legen... Aber wir wollen nicht meckern! Natürlich zeigte uns Mutter Natur auch wieder etwas, einen Pelikan mit der Lodge im Hintergrund.

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Gut gestärkt ging es nach einer etwas längeren Mittagspause wieder auf den See. Auf dem folgenden Bild kann man sehen, welche Hindernisse wir hier teilweise überwinden müssen, um an die Plätze zu kommen. Hier ist es eine Netzbarriere mit "Durchfahrt".

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Zunächst konnten wir an verschiedenen Plätzen noch einige Zander einsammeln, bevor es Daniel wieder zur "Karpfenstelle" zog. "Wollen wir noch mal einen Karpfen fangen?" "Na, das wird uns wohl kaum auf Ansage ein zweites Mal gelingen" , antwortete Kai. Also, fahren wir mal dort vorbei, vielleicht sind ja mittlerweile auch Zander am Platz. Waren sie nicht, aber irgendwann rief Daniel das gerne gehörte "Ja", und seine Rute war wieder mächtig krumm. Schnell war klar, das ist schon wieder kein Zander. Ein Schuppenkarpfen von ca. 10 Pfund hatte sich Daniel's Gummifisch geschnappt. Es ging recht schnell und wir hatten den Fisch an Bord, schließlich hatten wir ja Übung!

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Man kann also Karpfen mit Gummiköder auf Ansage fangen, zumindest Daniel kann das...

In der Folge kamen wir noch an einigen lustigen Fotomotiven vorbei. Badende Kühe und rumänische moderne Transportmittel, sehr umweltfreundlich weil emmisionsfrei!

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Am Abend hatten wir dann 18 Zander und den Karpfen auf dem Zettel. Und während wir hier den Bericht schreiben bzw. fast damit fertig sind, genießen wir den Abend auf der Terasse am See.

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Donnerstag - Doch noch Rock'n'Roll und ein kleiner Beifang


Heute Nacht kam von draussen auf einmal so ein komisches Geräusch auf. Regen? Nein, zum Glück nicht, aber eine steife Brise! Die Boote am Steg begannen zu schaukeln und schlugen leicht aneinander. Was war das denn jetzt wieder? Das rumänische Wetter ist in diesem Jahr wohl etwas durcheinander. Eigentlich ist man durchgängig blauen Himmel und Backofentemperaturen gewöhnt, aber in diesem Jahr... Die erste Frage die wir uns stellten war, wie dieser kleine Wetterumschwung denn unseren Stachelrittern gefallen würde. Die Vorahnung war da eher negativ...

Zum Glück bewahrheiteten sich unsere Befürchtungen nicht. Insbesondere am Vormittag gab' es in der Tat noch den nicht mehr für möglich gehaltenen "Zander Rock'n'Roll". Schlag auf Schlag schnappten sich die Zander unsere Gummiköder, Doppeldrills inklusive. Das hatten wir nicht mehr erwartet und waren deshalb umso glücklicher darüber!

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Da wurde so mancher Köder geschreddert...

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Sogar einen verspäteten Nestbewacher fingen wir, noch ganz schwarz gekleidet...

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Ach so, der geneigte Leser möchte natürlich noch etwas zum kleinen Beifang wissen. Den durfte heute ausnahmsweise Kai landen, aber die kleine Karausche hat den Köder nicht genommen, sondern sich irgendwie anders den Haken "angeeignet"...

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Am Ende des Tages hatten wir 47 Zander auf dem Konto, so muss das!

Nun wollen wir hoffen, dass die Wettervorhersage für den morgigen letzten Tag nicht stimmt. Sie sagen wieder große Mengen Regen voraus, und das werden wir uns dann sicher nicht noch einmal antun... Drückt uns die Daumen!

Freitag - Doch noch mal raus!

 


Wir lieben falsche Wetterprognosen, besonders wenn sie so schlecht sind wie die von gestern für heute. Der Tag empfing uns zwar regengrau, aber die Schleusen waren erst einmal noch geschlossen. Auf der Fahrt zur ersten Angelstelle überraschte uns zwar ein kräftiger Schauer, aber danach war es wieder trocken. War es gestern nur ein positiver Ausreißer oder legten die Zander heute nochmal nach? Sie taten es! Wiederum ging es zu Beginn Schlag auf Schlag. Wir fingen die Fische in einer erstaunlich großen Tiefe von ca. 5m , auch das ist hier eher ungewöhnlich. Nach einer guten Stunde war der Spuk dann aber ganz plötzlich vorbei. Nun, der Zähler stand schon auf 18 !

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Nein, nein, sie waren nicht alle so klein!

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Der Himmel wurde noch etwas dunkler, trotzdem entschieden wir uns noch für einen letzten Platzwechsel. Das hat sich dann noch gelohnt, denn wir konnten weitere 5 Zander fangen!

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Wiederum sehr zufrieden traten wir die Rückfahrt zur Lodge an. Mittagessen !

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Am Nachmittag geht es nun nicht mehr raus. Der große Regen ist endgültig im Anmarsch und wir werden noch ein wenig auf der Terasse entspannen und so langsam die Rückreise vorbereiten. Morgen früh geht es um 03:30 Uhr aus den Federn, denn unser Flug startet hoffentlich pünktlich um 06:00 Uhr. Wir blicken auf tolle Tage zurück. Viel Spaß, gute Kameradschaft und letztlich doch noch eine ordentliche Zahl an Fischen machten diese Woche wieder einmal zu etwas Besonderem. Die Artenvielfalt auf der Fangliste ist groß, wenn auch der erhoffte Hecht nicht dabei war. Auch die Barsche zeigten sich bis auf einen einzigen nicht.

Daniel & Kai

 

 

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