Mit Vollgas aus der Schonzeit - Saisonstart in Holland

Vollgas – welch ein Stichwort - vor gut einem Monat habe ich endlich mein Boot auf einen neuen 50 PS Honda umgerüstet. Nachdem der Motor vor zwei Wochen mit „der besten Frau der Welt“ auf dem Kölner Rhein seine erste Spazierfahrt gemacht hatte, wurde er zum Saisonstart in Holland das erste Mal so richtig zum Einsatz gebracht. Das Ganze ist jetzt schon „ein wenig“ dynamischer...

Warum man auch anglerisch von einem Saisonstart mit Vollgas sprechen kann, erzähle ich Euch jetzt:

Wie in jedem Jahr fieberten wir schon seit Wochen dem Saisonstart am letzten Samstag im Mai entgegen, an dem in den Niederlanden die generelle Raubfischschonzeit endet. Ich hatte mir für Samstag und Sonntag ein ziemlich anstrengendes Programm vorgenommen...

Um bereits beim "ersten Büchsenlicht" auf dem Wasser zu sein, ging es am Samstag bereits um 01:30 Uhr mit Guido auf die Autobahn. Pünktlich um 05:00 Uhr waren wir auch schon auf dem Wasser. Bereits die erste Drift brachte einige Attacken auf unsere Köder und Zander bis 68cm – das ging ja gut los. Anscheinend hatten die Fische Kohldampf nach dem Laichgeschäft!

 

Nach wenigen Stunden war die Fangausbeute schon zweistellig, an allen gewählten Spots fanden wir beißfreudige Fische vor. Alle „üblichen“ Fischgrößen waren dabei, von „Kindergarten“ bis gut in die 60er, mit einigen Ausreißern in die 70er. Eine kapitale Zandermutti wäre noch ganz schön...

Auch das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite und den ganzen Tag hindurch lief es perfekt. Am Nachmittag frischte der Wind etwas auf, was den Fängen aber nicht schadete. Von wegen Ostwind und keine Fische ....

Als wir an einer Buhne ansetzten, an der ich bereits vor zwei Jahren meinen bis dato größten Zander aus diesem Flussabschnitt fangen konnte, erhielt Guido einen massiven Biss, gefolgt vom so angenehmen „Kartoffelsack am anderen Ende Gefühl“. Nach heftigem Drill kam der Zander erstmals an die Oberfläche und sofort war klar: 90plus! Bereits der erste Landeversuch gelang und Guido konnte voller Freude seinen neuen PB Zander mit 95cm und geschätzten 12kg zu einem kurzen Shooting in die Kamera halten. Die Stimmung im Boot erreichte euphorische Züge...

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in den frühen Abendstunden fingen wir noch einige Fische, u.a. einen Barsch von 45cm.

 

Wir beendeten diesen außergewöhnlichen Tag mit dem neuen Bootsrekord von 59 Fischen, unterteilt in 50 Zander und 9 Barsche!

 

Gegen Mitternacht erreichten wir die Heimat. Schnell das Boot in die Garage und Guido mit freudigem Gesicht (beidseitig) verabschiedet. Ich frage mich, ob er gedanklich nicht auch gerne morgen schon wieder rausfahren würde, er liess sich aber nichts anmerken Zwinkernd

Schnell musste auch alles gehen, denn bereits um 04:30 Uhr war ich mit Daniel wieder an der Garage verabredet um den zweiten Tag loszufahren. Die 2 ½ Stunden Schlaf mussten doch irgendwie reichen....

Anscheinend war die Euphorie des Vortages noch in meinem Körper, denn das Aufstehen fiel gar nicht so schwer wie gedacht.

Diesmal war es natürlich nichts mit dem „ersten Büchsenlicht“. Um ca. 08:30 waren wir auf dem Wasser. Für Daniel war es die erste Tour mit mir und so dauerte natürlich das Trailern und Fertigmachen des Bootes ein wenig länger. Besonders war auch, dass Daniel an diesem Tag das erste Mal so richtig auf diese Weise Zanderangeln ging. Er war natürlich auf Grund der Vortagesergebnisse voll hoch gesteckter Erwartungen.

Auch am Sonntag ließen die ersten Fänge nicht lange auf sich warten. Daniels erster war gleich ein toller 70er – das ging ja wieder gut los!

Über die nächsten Stunden fingen wir regelmäßig, wenn es auch nicht ganz so genial wie am Vortag lief. Zum Mittag hatten wir uns bereits gut 10 Fische zusammengeangelt. Daneben wurden wir auch mal wieder von der Fischereiaufsicht auf dem Wasser kontrolliert. Nach Prüfung der Angelpapiere nahmen die Kontrolleure alle Staufächer des Bootes in Augenschein. Offensichtlich vermuteten Sie tote Zander an Bord. Natürlich war alles ok und wir konnten mal wieder dem Bild des fleischmachenden deutschen Anglers etwas entgegensetzen. Prima diese Kontrollen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann kam bei mir der erste Hammer des Tages -  der Müdigkeitshammer. Ich musste nun einfach ein wenig schlafen und da Daniel das Boot mangels Erfahrung und Führerschein nicht einfach selber hätte übernehmen können, musste er sich dem müden Krieger leider anschließen – sorry Daniel!

Also ein vermeintlich ruhiges (was auf dem Fluss nicht so ganz einfach ist) und schattiges Plätzchen aufgesucht und Siesta gemacht.

Ich weiß nicht ob ich nach dem Schlafen oder vor dem Schlafen erschöpfter war, so wirklich erholt fühlte ich mich jedenfalls gar nicht ....

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in den nächsten Stunden fingen wir schöne Barsche und Zander, kurz vor Hochwasser und damit dem geplanten Zeitpunkt zum austrailern stand der Zeiger auf 29 Stück. Na – einer wird doch noch gehen. Zunächst kam Nummer 30 jedoch nicht und ich lenkte das Boot schon mal grob in Richtung Hafen. Auf dem Weg überlegte ich, ob wir noch mal Halt machen sollten und wenn an welcher Strecke. Wir fuhren an einer Brücke vorbei. Brücke – OK, Brücke ist immer gut. Kurzerhand den Frontmotor rein und noch eine Drift, vielleicht ja doch noch Nummer 30! Fünf Meter gedriftet – Einschlag, und was für einer. Da war es wieder – „Kartoffelsack-Feeling ....

In Gedanken wurde der Fisch während des Drills immer größer und als sich der Zander an der Oberfläche zeigte, wurde mir etwas schummrig. Ihr kennt ja das Gefühl – hak’ nicht aus, hak’ nicht aus… Während Daniel schon die Videokamera gezückt hatte, reichte er mir mit der anderen Hand auch schon den Kescher. Der Mann ist zu gebrauchen! Erster Versuch – drin!

Was für ein Fisch! Lang, schwer, bullig – unglaublich!

Das Messen ergab’ unglaubliche 99cm, wir schätzten das Gewicht auf ca. 14kg. Als erfahrener Karpfenangler kann man ja ganz gut Gewichte schätzen....

Mit einem lauten Freudenschrei entlockte ich den Zuschauern am Flussufer mal wieder diesen „Angler-sind-bekloppt-Gesichtsausdruck“   ....

Wir setzten die Messlatte noch mal an – es blieb bei 99cm. Wahnsinn!

 

Alle Müdigkeit war wie weggeblasen und dem Adrenalin in meinen Adern gewichen, 99 , Traum? Wirklichkeit? Kneif’ mich !

Auch auf der Rückfahrt hatte die eigentlich überfällige Müdigkeit keine Chance. Wieder gegen Mitternacht verabschiedete ich Daniel, der ebenfalls einen denkwürdigen Angeltag verlebte. Wiederholungsbedarf!

 

Ich geh’ dann mal schlafen....

Bis demnächst...

Kai

 

 

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