Raubfisch net(te) Geschichten (15)

Herbstferien 2017. Auch in diesem Jahr ging es für Birgit und mich für eine Woche in ein Ferienhaus nach Holland. Tagesausflüge nach Kampen und Amsterdam standen auf der Agenda, und natürlich hing auch das Boot am Haken um den einen oder anderen Angelausflug zu machen. Was das Angeln betrifft hätte ich für diesen Bericht auch den Titel "Die Seuche an den Füßen" wählen können, aber das hätte diesen sehr schönen Urlaub unangebracht ins negative gezogen.

Nachdem wir am Freitag unser Ferienhaus bezogen hatten, ging es am Samstag zunächst nach Kampen. Eine wirklich wunderschöne Stadt an der Mündung der Ijssel. Natürlich wurde den örtlichen Angelgeschäften auch ein kurzer Besuch abgestattet...

Der Sonntag war dann ganz Amsterdam gewidmet, schon unser zweiter Tagesausflug in die Hauptstadt. Diesmal auf dem Programm: Grachtenfahrt, Besuch in der alten Heineken Brauerei (der sog. "Heineken Experience") und, weil wir diesmal vorab Eintrittskarten gekauft hatten, das Anne Frank Haus.

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Welch' ein Schild, ein in Deutschland momentan undenkbarer Text - leider...

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Am Montag ging es dann zum ersten Mal mit dem Boot raus. Um es kurz zu machen: Wir angelten ca. 7 Stunden, wechselten mehrfach den Platz, holten uns dank des starken Seitenwindes und entsprechend hoher Wellen einen teils nassen A... und bekamen genau "NULL" Aktion an unseren Ruten. Wenigstens konnten wir danach die Sauna im Ferienhaus in vollen Zügen genießen!

Der Dienstag begrüßte uns mit Nieselregen und viel Wind. Wir entschlossen uns trotzdem ein paar Stunden zu angeln, wenn auch "nur" vom Ufer. Bei der letzten Teamtour hatten wir ein für uns neues Gebiet entdeckt und dort ging es dann auch hin. Wir hielten 3 Stunden aus, bevor der wirklich fiese Nieselregen so schlimm war dass wir unsere nassen Sachen einpackten. Aktion? Genau "NULL". Na das war mal ein richtiger Doppelschneider für uns beide.

Am Mittwoch sollte der Knoten dann aber endlich platzen. Um es vorsichtig zu formulieren: ein wenig...

Weil der Wind wiederum recht stark war, entschieden wir uns gleich für eine geschützte Hafeneinfahrt. Noch bevor es richtig hell war konnte ich einen 77er Hecht verhaften. Endlich entschneidert, wenn es auch ein kleiner Fisch war. Nachdem sich an dieser Stelle in den nächsten zwei Stunden nichts mehr bewegt hatte, fuhren wir direkt in den Jachthafen hinein. Bei 14 Grad Wassertemperatur wäre es ungewöhnlich die Hechte schon im Hafen selbst anzutreffen, aber der Wind ließ uns keine andere Wahl. Erster Ankerplatz, schneller Biss bei Birgit. Anschlag, kurzer Kontakt und dann - ausgehakt. Na toll! Am nächsten Ankerplatz "ein paar Boote weiter" tat sich zunächst nichts, aber dann tauchte mein Pencil unter und nachdem ich den Anschlag gesetzt hatte zog der Fisch wie eine Dampfwalze unter eines der liegenden Boote und leider auch dicht an einem Pfahl vorbei. Ich konnte den Fisch nicht halten und leider auch nicht verhindern dass der Fisch die Gelegenheit nutzte um um den Pfahl herumzuschwimmen. Peng - Hauptschnur durchgescheuert. Da saß ich nun, völlig frustriert über den Abriss eines wirklich guten Fisches. Viel Zeit blieb jedoch nicht, denn die Pose von Birgit's Rute ging schon auf Tauchfahrt. Weil Birgit in diesem Moment ungünstig im Boot saß nahm ich die Sache in die Hand. Anschlag, kurzer Kontakt und - ausgehakt! Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt angelangt und Birgit musste die miese Laune dann auch ein bisschen ausbaden. Sie nimmt es ja immer etwas lockerer, nach dem Motto "Angeln macht Spaß, Fische fangen muss ich nicht unbedingt". Das war es für diesen Tag und wir traten die Heimreise am frühen Nachmittag an.

Wir zweifelten mittlerweile an allem, obwohl das natürlich bei unveränderten Montagen etc. völliger Unsinn war. Aber wie sagt man so schön, wenn es nicht mehr schlimmer kommen kann, dann : kommt es schlimmer...

Donnerstag, letzter Tag. Der Wind hatte sich deutlich gelegt und so konnten wir morgens am Rande einer Fahrrinne starten. Birgit erhielt recht schnell den ersten Biss. Anschlag - kurzer Drill und - ausgehakt! Viel Zeit zum ärgern blieb uns nicht, denn auch mein Pencil ging auf Wanderschaft. Anschlag - kurzer Kontakt und - ausgehakt! Spätestens jetzt hatte ich die Faxen dicke. Aber der Ärger wurde verdrängt als Birgit wiederum einen Biss erhielt. Nach dem Anschlag ging der Fisch kräftig in die Bremse und Birgit stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben. Ich war mir schnell sicher - dieser Fisch geht locker über die Metergrenze. Schnell hatte ich den Kescher parat. Und dann? Ein Ruck in der Rute und auch dieser Fisch war ausgestiegen. Ich möchte die Flüche hier nicht wiederholen,es waren einige dabei die nicht jugendfrei sind. Was hatten wir nur verbrochen?

In der Folgezeit tat sich nichts mehr und wir beschlossen noch einmal in den Hafen zu fahren. Kurz nachdem ich die erste Rute ausgelegt hatte fing der Pencil auch schon an zu tanzen. Der Anschlag saß und ich musste nur noch auf den Moment warten bis der Fisch aushakte. Ja, soweit war es schon gekommen. Man fängt irgendwann an an allem zu zweifeln, auch wenn es in der Vergangenheit gut funktioniert hat. Zum Glück blieb diesmal alles "im Lot" und Birgit konnte den Fisch keschern. Mit einem Hecht von 94cm war der Fluch besiegt. Selten so gefreut, endlich...

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Wütend war er...

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Das sollte aber noch nicht alles sein. Kaum war der Fisch zurückgesetzt und der Köder neu platziert, fing der Pencil schon wieder an zu tanzen. Nach dem Anschlag kam zunächst nicht viel Gegenwehr, aber als der Fisch das erste Mal an die Oberfläche kam war mir sofort klar dass er die Metergrenze locker überschreitet. Der Hecht dachte sich in diesem Moment wohl auch seinen Teil und versuchte mit aller Kraft den Haken loszuwerden. Diesmal blieb ich jedoch Sieger und konnte nur wenig später eine stattliche Hechtdame von 1,10m vor die Kamera halten.

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Wir wechselten anschließend noch einmal den Platz, aber das war es mit den Aktionen unter Wasser. Dieser letzte Tag kam dann doch noch zu einem guten Ende, auch wenn Birgit leider keinen Fisch fangen konnte.

Soviel Pech mit verlorenen Fischen hatten wir schon lange nicht mehr, wenn überhaupt. Trotzdem blicken wir auf eine schöne und abwechslungsreiche Woche zurück.

Kai

 

 

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