Zum ersten Mal war der Michael, ein guter Freund und Patenonkel von meiner Frau und meiner Tochter, mit von der Partie. Geplant waren 2 Tage Hechtangeln mit Übernachung, aber bekanntlich kommt ja allles anders als man denkt...
Gut gelaunt ging es morgens um 3 auf in Richtung Niederlande. Bei der Ankunft um kurz nach 6 war es stockdunkel, was uns aber nicht davon abhielt, sofort das Boot fertig zu machen und die erste Angelstelle anzufahren. Dort angekommen gab es eine kurze Einweisung für Michael in alle notwendigen Handgriffe und kurze Zeit später baumelten 4 schöne Rotaugen an unseren Ruten.
Allzu lange blieben die schmackhaften Köfis nicht unbeobachtet und Michael konnte seinen ersten Anbiss mit einem Anschlag quittieren. Nach kurzem Drill lag ein toller Fisch im Kescher, der die Metermarke nur knapp verfehlte.
Also schnell noch ein Foto gemacht und... AUA!!!!.... Was war denn das? Irgendwie hat es der Hecht geschafft, einen Zahn in Michaels Daumeninnenseite zu schlagen. OK, mal Blut abwischen und dann... KNACK!!!... Was war das denn jetzt? Warum lässt sich der Finger jetzt überhaupt nicht mehr bewegen? Sehr sonderbar...
Noch während wir rätseln, was das sein kann kam schon der zweite Biss bei Michael und ein gut genährter 85er sah das Boot von innen. Aufgrund der chaotischen Situation im Boot und der noch nicht geklärten Sache mit Michaels Finger musste der Fisch leider ohne Foto wieder schwimmen gehen.
Nun hatten wir eine kurze Pause, um uns den Finger mal genauer anzusehen. Was war passiert? Der Hecht hatte es tatsächlich geschafft, die Beugesehne an Michaels Daumen mit den Zähnen fast vollständig zu durchtrennen. Beim Abtrocknen hat Michael dann die Sehne vollständig durchtrennt. OHA!
Für uns beide war ein Sehnenriss völlig neu und wir mussten uns erst mal schlau machen, wie nun zu verfahren ist. Schnell wurde klar, dass sich da nicht von alleine gibt, sondern dass die Hand operiert werden muss. Also wurden alle in Betracht kommenden Möglichkeiten (Krankenhaus in Holland, Krankenhaus in Deutschland, sofort nach Hause oder erst nach dem Angeln etc) gegeneinander abgewogen und schlussendlich haben wir uns dazu entschieden, verfrüht die Heimreise anzutreten. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an den Vermieter unseres gebuchten Zimmers, der uns eine kostenfeie, kurzfristige Stornierung ermöglichte.
Trotzdem sollte mit dem gegebenen Handycap bis Mittag weitergeangelt werden, was sich als sehr erfolgreich herausstellte. Kurz hintereinander konnte erst ich einen schönen Fisch fangen und dann Michael noch einen fast Metrigen auf die Schuppen legen.
Das Festhalten des Fisches stellte sich mit dem Daumen als etwas komplizierter und schmerzahfter dar. Von daher war Michael gar nicht sooo traurig, dass die weiteren Bisse alle bei mir kamen. Bis 11 Uhr schafften wir es auf insgesamt 8 Fische, worunter 2 tolle Meterfische bis 110 cm waren.
Angesichts einer näherkommenden Gewitterfront räumten wir kurz nach 11 das Feld und traten schweren Herzens den Heimweg an, aber wir kommen wieder!
Wir sagen nur: Daumen hoch!